Peter Kranz: Ein kritischer Durchgang durch die Problematik des Klimawandels

Vortrag auf einer Veranstaltung des Spandauer Wirtschaftshofes und des Spandauer Energie-Tisches, 24.1.2008 

„Wenn wir nicht sofort anfangen zu handeln, werden wir nicht überlebensfähig sein.“
(Prof. Olaf Hohmeyer, Universität Flensburg/Kiel)

Wer sich ernsthaft mit dem 4. Welt-Klimabericht, vor allem mit den Studien der zuarbeitenden Forschungsein- richtungen befaßt, muß sagen:
Es ist nicht 5 vor 12. Es ist 5 nach 12.

2500 Wissenschaftler, alle weltweit wichtigen Meteorologen und Klimawissenschaftler, haben an dem jüngsten Welt-Klimabericht, dem 4. Bericht des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) mit Sitz in Genf, mitgearbeitet. Sie kommen zu dem Schluß: Der Klimawandel ist unumkehrbar.

Es gibt drei große Kapitel im jetzigen IPCC-Bericht und eine Zusammenfassung für die Politik. Auf diese Zusammenfassung haben die USA und andere am meisten Einfluß genommen. Die drei großen Kapitel sind: die Analyse, die Prognose und die vorgeschlagenen Maßnahmen.

Die vorgestellten Szenarien reichen von einer ökonomisch orientierten Erde mit einer bis 2050 anwachsenden Weltbevölkerung, über einem Szenario mit ausgewogener Mischung fossiler und nicht-fossiler Energieträger bis hin zu einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung.

Die Ergebnisse 2007 sind so eindeutig, daß der menschengemachte Klimawandel als „sehr wahrscheinlich“ eingestuft wird, 2001 hieß es noch „wahrscheinlich“.

Bohr-Kerne aus dem Polareis belegen, daß die atmosphärische CO²-Konzentration über 650.000 Jahre bis zum Jahr 1750 unter 280 ppm (parts per million Gasmoleküle) lag. Im IPCC Scientific Assessment von 1990 ist von 355 CO² ppm die Rede. 2005 wurden 379 CO² ppm gemessen. Pro Jahr steigt sie um etwa 2 ppm. Prognostiziert wird eine Zunahme bis zum Jahr 2100 auf 540 – 1260 ppm. Durch die CO²-Verweildauer von etwa 100 Jahren sehen auch die günstigsten Prognosen eine Zunahme voraus.

Alle technischen Maßnahmen, wie unterirdische Zwischenlagerung oder Zwischenlagerung in großen Tiefen sind in den Auswirkungen weder getestet, noch reduzieren sie die CO²-Konzentration im notwendigen Maße. Man käme maximal auf eine Reduktion von etwa 90 CO² ppm.

Es gibt einen Beschleunigungseffekt: Je wärmer die Erde, desto weniger CO² kann gespeichert werden*.* Die günstigste IPCC-Prognose ist daher eher unwahrscheinlich. Zumal der IPCC-Bericht das Auftauen der Permafrostböden nicht in seinen Klimamodellen berücksichtigt hat. Dadurch aber werden große Mengen das weit klimaschädlicheren Methan freigesetzt. Wir müssen uns im günstigsten Falle auf 650 – 800 ppm einstellen.

Ob eine CO²-Konzentration von 800 ppm noch überlebensverträglich ist, wissen wir nicht.

Der IPCC-Report ist von seiner Entstehung her schon ein Kompromiß. Die Berichte der Forschungsinstitute, die zugearbeitet haben, sind oft weit deutlicher. Aus Deutschland hat das Max-Planck-Institut für Meteorologie/ Hamburg für den Bereich „Prognosen“ die IPCC-Klimaprognosen berechnet.

Die Ergebnisse:

1. Die Temperatur-Zunahme wird in der arktisch-nordsibirischen Region doppelt so hoch sein wie in Mitteleuropa. Diese stärkere Temperaturzunahme reicht bis nach Nord-Skandinavien.

Die Temperatur wird um das Jahr 2050 gegenüber dem Jahr 2000 um 4 ° höher liegen, um das Jahr 2070 um 6 – 9 °, um das Jahr 2090 um 8 – 9 ° C . In Mitteleuropa soll sie um 1,5°, 2,5° und 3,5 ° höher liegen als im Jahr 2000. Bis zum Jahr 2100 wird die Durchschnittstemperatur weiltweit zwischen 2,5 – 6,4 ° ansteigen. Wahrscheinlich nennt der IPCC-Report 3 °. Für Deutschland wird mit einer Erwärmung um 3,5 ° gerechnet. Unter den 12 wärmsten Jahren seit 1850 befinden sich 11 zwischen 1994 und 2006.

Es ist fast eine Faustregel: Die Temperaturerhöhung wird in den polaren Gebieten und Nordskandinavien etwa doppelt so hoch liegen wie in Mitteleuropa und in Mitteleuropa etwa doppelt so hoch wie in Südeuropa (mit Ausnahme von Südspanien und Süditalien, wo die Erhöhung wie in Mitteleuropa sein wird).

Selbst wenn ab sofort alle Treibhausgas-Emissionen gestoppt werden, werden die Temperaturen weltweit bis Ende des Jahrhunderts um 1 – 2,5 ° ansteigen Die Schneemenge in Europa wird um 80-90 % abnehmen, in den Gebirgen um 30-50 %.

2. Die durchschnittliche Eisdicke des arktischen Meereises lag 1960 bei über 3 m, 1998 nur noch bei 1,8 m und 2007 bei unter 1,5 m. Die Eisfläche hat sich in den letzten 20 Jahren um 20 % verringert.

Doppelt so viel Tauwasser fließt ins Meer als vor 50 Jahren. Seit 1990 hat sich diese Entwicklung noch beschleunigt. Besonders schlimm waren die Jahre 2003 und 2005. Im Dritten Arktis-Report von 46 WissenschaftlerInnen aus 10 Ländern, den die US-Behörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) Mitte Oktober 2008 veröffentlichte, heißt es, daß das Jahr 2007 das wärmste Jahr für die Arktis war. Es lag 5 Grad über dem Normalwert.

Der Eisverlust beträgt seit dem Jahr 2002 zwischen 200 und 220 Mrd t pro Jahr. Damit könnte der /Bodensee/ mehrfach aufgefüllt werden. Die Inlandeinsdecke Grönlands verlor 2007 ein Volumen von über 100 Kubikkilmetern. Der deutsche ForschungsEisbrecher Polarstern, konnte zwischen dem 12. August und dem 17. Oktober 2008 die Nordwestpassage (im nördlichen Kanada) und die Nordostpassage (im nördlichen Sibirien) befahren. Die Gebiete waren erstmalig gemeinsam eisfrei. Bis 2080 wird der arktische Sommer insgesamt eisfrei sein.

Das Abschmelzen des Grönlandeises ist nicht mehr aufzuhalten und verläuft schneller als erwartet. Wenn das Grönlandeis vollständig verschwunden ist, wird der Meeresspiegel durch Eisschmelze und Wasserausdehnung um 7 m ansteigen.

Was die Antarktis betrifft, so ist die Antarktische Halbinsel, die in Richtung Feuerland ragt, in den vergangenen 50 Jahren um 4 – 5 ° wärmer geworden. Das Larsen-Schelfeis an der Ostseite der Halbinsel ist fast völlig zerfallen. 2002 brach dort ein Stück von der Größe Mallorcas ab. Die Gletscher der West-Antarktis haben 2006 etwa 192 Mrd. t Eismasse verloren. Die Eisschicht der Zentral- und Ost-Antarktis dagegen hat durch die Zunahme der Niederschläge nicht abgenommen. Dies ist die einzige Region der Erde, in der die Eisschilde nicht abschmelzen.

Schon weit vor dem Jahr 2100 werden die alpinen Gletscher verschwunden sein.

3. Bis 2100 wird der Anstieg des Meeresspiegels zwischen 58 cm und 2 m liegen. In der Nordsee wird er um 0,5 m steigen, andernorts zwischen 1 – 2 m. Das liegt an der Dichte des Wassers und an den Meeresströmungen. Die Niederlande dagegen rechnen mit einem Nordsee-Anstieg um 1 m und richten ihre Schutzmaßnahmen darauf ein (eine große künstliche Insel soll zwischen Rotterdam und Den Haag aufgeschüttet werden, die Deiche werden erhöht und stärker befestigt, Wohnungsbauprogramme mit schwimmenden Häusern werden gefördert). Die Erwärmung der Nordsee, so meldet dpa am 7. Februar 2008, führt zu einer Beeinträchtigung des küstennahen Fischfangs, weil Hering und Kabeljau in die kälteren Gewäser nördlich der Nordsee ausweichen.

Selbst wenn der Treibhausgas-Ausstoß sofort gestoppt werden würde, würde der Meeresspiegel noch 1000 Jahre lang ansteigen, wegen der Erwärmung der mittleren Tiefen.

4. Sicher ist, daß durch die Schmelzwasser-Verdünnung des Oberflächenwassers im Nordatlantik die Atlantische Umwälzbewegung (AMOC) um 30 – 42 % abnehmen wird. Um 20 % hat sie schon abgenommen.Die AMOC treibt den Golfstrom in den europäischen Nordatlantik und erwärmt unsere Breiten. Jedoch wird der Temperaturanstieg die Abkühlung mehr als wett machen.

5. Prof. Olav Hohmeyer sagt: „Bei einem Temperaturanstieg zwischen 1,5 und 2,5 ° gegenüber der Durch- schnittstemperatur 1980 – 1999 werden 20-30 % der bekannten Tier- und Pflanzenarten aussterben. Das ist realistischerweise nicht mehr zu verhindern.“ Schon jetzt bereiten sich die berlin-brandenburgischen Forstwirte darauf vor und beginnen den Waldumbau in Richtung Mischwald mit dem Ausprobieren vierschiedener Laubholzarten. Die Buche wird wahrscheinlich aus Berlin-Brandenburg verschwinden. Das Ausweichen nach Norden wird für die Pflanzen- und Tierwelt behindert, weil sich die Temperaturen Skandinaviens denen Mitteleuropas angleichen werden.

6. Weitere Folgen des Klimawandels sind: Die Trockenzeiten mit ausgedehnten Dürreperioden werden weltweit länger. Betroffen sind in Europa vor allem das südliche Mittelmeergebiet, das südliche Afrika und Australien. In Südostaustralien haben wir gerade das 13. Dürrejahr. Zwar wird es einen zunehmenden Wassermangel geben, gleichzeitig aber werden die Niederschläge intensiver mit steigender Hochwassergefahr. In den letzten Wochen gab es Extremhochwasser in Mozambique und in Bolivien, Anfang Januar in Bangla Desh, im vergangenen Jahr in Somalia und Nord-Kenia mit Überschwemmungen, die die Ausmaße Hessens übersteigen.

Auch die Winterstürme werden in Mitteleuropa stärker. Ich erinnere an den verheerenden Sturm des Tiefs Kyrill im Januar letzten Jahres. Hurricans, Taifune und Wirbelstürme werden häufiger auftreten und in ihrer Intensität größer sein. Und sie werden auch dort auftreten, wo sie bisher unbekannt waren, etwa über dem südlichen Nord-Atlantik in Richtung Portugal/Spanien.

Im Mittelmeergebiet werden die Stürme schwächer. Es wird weniger regnen.Wassermangel wird sich zunehmend bemerkbar machen. „Stadt Barcelona sitzt auf dem Trockenen. Die Wasserknappheit in Spanien wird dramatisch“, so lautete eine Artikelüberschrift in der taz vom 5. Februar 2008.

Selbst strikteste Klimaschutzmaßnahmen können eine weitere Erderwärmung nicht verhindern, sondern nur abmildern. Aus dem UN-Klimasekretariat heißt es: Spätestens im Jahre 2015 müßte der weltweite CO²-Ausstoß zurückgehen. Wenn bis 2050 die CO²-Emissionen um 50 – 85 % gesenkt werden, könnte die Zunahme der Erderwärmung auf „beherrschbare“ 2 ° begrenzt werden.

Abwarten und später handeln seien eine Sackgasse und werden später umso teurer werden.

Die Kosten des Klimawandels sind so hoch, daß sich jede Investition in den Klimaschutz mittelfristig rechnet. Nachn Berechnungen der britischen Regierung werden die Kosten des Klimawandels die Möglichkeit der britischen Volkswirtschaft sprengen. Nach Schätzung der EU-Kommission werden die Klimaschutzmehrkosten der EU bis 2020 etwa 50 Mrd. € betragen. Ungebremster Klimawandel würde aber das Zehnfache kosten.

Jedoch: Bei einem weiteren Anstieg der Energiekosten der konventionellen Energieträger Kohle, Erdöl, Gas, wird Klimaschutz umso kostengünstiger.

Am 23. Januar wurde das _Klimaschutzpaket der Europäischen Union_ vorgestellt. Es ist nicht so anspruchsvoll, wie zuvor angekündigt, weil die EU-Kommission auf politischen Druck hin noch einen Tag zuvor die Zielmarken reduziert hatte. Bis 2020 soll der CO²-Ausstoß um 20 % gesenkt werden, im Verkehrsbereich um 30 %. Zugleich sollen 20 % des Energie-Bedarfs aus erneuerbaren Energien stammen, und 10 % des Kraftstoffverbrauchs sollen mit Bio-Sprit gedeckt werden.

Für jedes einzelne Land gibt es feste Minderungsziele. Deutschland soll den CO²-Verbrauch um 14 % gegenüber dem Jahr 2000 senken. Der Anteil an erneuerbaren Energien soll dagegen unter den EU-weiten 20 % nur bei 18 % liegen, für Österreich etwa soll er um 48 % steigen.

Es gibt erhebliche Kritik an dem Klimaschutzpaket.

Wirtschaftsminister Glos fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, der CDU-Energieexperte Joachim Pfeiffer spricht von einer „Kampfansage an den Industriestandort Deutschland“. Jürgen Thumann, Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, warnt vor den Kosten und sieht eine „Erosion der industriellen Basis in Europa“. Umweltminister Sigmar Gabriel ist zufrieden.

Der Chef des Weltklimarates (IPCC), Rajendra Pachauri, dagegen sagte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: „Die EU-Pläne entsprechen nicht den Erwartungen.“

Und Ivo de Boer, Leiter des UN-Klimasekretariats, sagt: „Wenn die EU den Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 % steigern will, dann dürften ab sofort nur noch Kraftwerke mit erneuerbaren Energien gebaut werden.“ Die 25 geplanten Kohlekraftwerke seien kontraproduktiv.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz), bemerkt: „Das Klimapaket wird den Herausforderungen des Klimawandels nicht gerecht.“ Die CO²-Reduktion um 20 % sei viel zu wenig. Es müßten 30 – 40 % sein, „wenn es einen nennenswerten Effekt haben soll“. Außerdem gebe es keine Sanktionen für die Länder, die ihr Reduktions-Ziel verfehlen. Auf anderen Politikbereichen mache die EU genau das Gegenteil von dem, was nötig wäre. Sie will z.B. Milliardensummen in den Ausbau der Verkehrswege und in die industrielle Landwirtschaft stecken. Weite Teile der Wirtschaft, und zwar gerade die klimaschädlichsten wie etwa die Aluminium-Industrie oder Glas-Industrie, werden vom Klimaschutz ausgenommen. Und Bio-Sprit sei eher ein Klimakiller, weil große Teile des Regenwaldes für den Bio-Sprit geopfert werden, und damit weitere CO²-Speicherkapazitäten verloren gehen.

Die Hauptkritik ist: Vom Energiesparen ist im Klimapaket nicht die Rede. Energiesparen aber müßte im Zentrum stehen. Bis 2020 müßte der Energieverbrauch um die Hälfte reduziert werden. Es sollten nur noch Kraftwerke gebaut werden, die Strom und Wärme erzeugen. Alles andere sei ineffizient.

Die Ökologisierung der Landwirtschaft wird nicht angesprochen, auch nicht die Aufforstung der Wälder oder der Ausbau des Regionalverkehrs auf der Schiene, so Hubert Weiger.

Und ergänzen müßte man noch: Auch der Flugverkehr wird weitgehend ausgespart, obwohl sich der CO²-Ausstoß EU-weit seit 1990 verdoppelt habe.

Sigmar Gabriel hatte am 26. April 2007 einen 8-Punkte-Plan vorgelegt:

1. Durch Energieeffizienz-Maßnahmen soll der Stromverbrauch um 11 % gesenkt werden. Z.B. müßten neue Elektrogeräte den Energiesparstandard der energiesparendsten Geräte erfüllen (Top-Runner-Ansatz)

2 a. Bau neuer und effizienterer Kraftwerke. Aber der geplante und auch von /Gabriel/ unterstützte Neubau von 25 Kohlekraftwerken konterkariert diesen Plan, selbst wenn dabei eine gleiche Anzahl von alten Kraftwerken stillgelegt werden sollten. Durch Bürgerprotest sind zwei dieser geplanten Kohle-Kraftwerke, im /saarländischen /Ensdorf und in Krefeld, zurückgestellt worden.

2 b. Reduzierung der CO²-Rechte der Energiewirtschaft beim Emissionshandel.

3. Der Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung soll von 12 % auf 27 % gesteigert werden

4. Der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung bei Energieerzeugung soll auf 25 % verdoppelt werden.

5. Die Gebäudesanierung soll verdoppelt werden. Nur ein neuer Energiespar-Gebäudepass soll Fördergelder ermöglichen.

6. Bei der Wärmeerzeugung soll der Anteil erneuerbarer Energien von 6 % auf 14 % erhöht werden.

7 a. Förderung von Bio-Sprit,

7 b. Umbau der Kfz-Steuer von Hubraum auf CO²-Emission.

8. Vor allem in der Landwirtschaft sollen andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas um 40 Mio t CO² gesenkt werden.

Insgesamt will die SPD den CO²-Ausstoß bis 2050 um 80 % senken.

Die Hauptkritik am Gabriel-8-Punkte-Plan ist, daß Ziele formuliert werden, ohne daß die notwendigen Schritte dazu genannt werden. Die unsägliche klima-schädliche Dienstwagen-Regelung, Steuerbefreiung für Dienstwagen, wird nicht angetastet. Ende Januar 2008 spricht sich Gabriel für ein Tempolimit von 130 kmh auf Autobahnen aus.

Der Gabriel-Plan floß in das Maßnahmen-Paket der Bundesregierung vom 5.Dezember letzten Jahres ein. Angestrebt wird dort eine Treibhausgas-Reduktion bis 2020 um 40 % gegenüber 1990.

Einige besondere Maßnahmen sollen sein:

  1. Die Kfz-Steuer für schadstoffarme Autos (bis 100 g CO²-Verbrauch) soll entfallen. Die Kfz-Steuer wird von einer Hubraumsteuer zu einer Schadstoffsteuer umgebaut. Jedoch soll dies nur für Neuwagen gelten. Für Alt-Autos bleibt alles beim alten. Ein Tempolimit ist nicht vorgesehen. Das Dienstwagen-Steuerprivileg bleibt bestehen.
  2. Stromablesezähler sollen jederzeit abrechnungsfähig sein. Damit könnte jeder Kunde seinen Energieverbrauch im einzelnen besser kontrollieren. Durch besondere Nachtspartarife sollen die Kraftwerke gleichmäßiger genutzt werden.
  3. Energieversorger sollen bis 2030 25 % ihrer Stromproduktion aus regenerativen Energien gewinnen. Dazu sollen umweltfreundliche Kraftwerke besonders gefördert werden. Der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung soll bis 2020 auf 25 % verdoppelt werden.
  4. Es soll mehr Geld für die Förderung regenerativer Energien geben
  5. Häuslebauer sollen zukünftig mehr in die energetische Sanierung invstieren.

Weitere Maßnahmenpakete sollen folgen.

Zur Umstellung der Kfz-Steuer sagt Gerd Lottsiepen, Sprecher des Verkehrsclub Deutschland, (VCD): „Mit der Reform bleibt die Bundesregierung weit hinter dem Notwendigen zurück.“ Die Kfz-Steuer für Autos mit hohem Verbrauch sollte wesentlich teurer werden. Außerdem komme die Umsetzung der Steuer ab 2009 viel zu spät.

Nach Ansicht von Greenpeace-Klima-Experte, Andree Böhling, werden diese Maßnahmen jedoch nur zu einer Reduktion der Treibhausgase von 30 % bis 2020 führen

Auch das Bundes-Umweltamt kommt in einer Studie zum Ergebnis, daß mit diesen Maßnahmen eine CO²-Reduktion um 40 % nicht zu erreichen ist.

Die CDU/CSU möchte eine möglichst kostenneutrale Umschichtung der Klimaschutzsubvention: Mehr Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung zu Lasten der erneuerbaren Energien.Hauptforderung ist: Der Wirtschaft dürfen keine höheren Kosten aufgebürdet werden.(CDU-Umweltsprecherin Katharina Reiche)/*.*/

Der bayerische Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) meint: „Um eine solide Grundlastversorgung der deutschen Industrie mit Strom zu gewährleisten, führt kein Weg an der Kohle und der Kernenergie vorbei.“

Es gelte, die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen Atomkraftwerke und neue Kohlekraftwerke zu zerstreuen. Stromgewinnung aus Windenergie und Solaranlagen sei zu unzuverlässig.

Bei der nächsten Bundestagswahl werde dieses Thema eine Rolle spielen.

In ähnlicher Weise äußerte sich Wolfgang Clement (SPD), ehemals Wirtschaftsminister und heute RWE- Lobbyist, und kritisierte damit den von Hermann Scheer entwickelten Energieplan der SPD-Spitzenkandidatin für Hessen, Andrea Ypsilanti, der auf einen deutlichen Ausbau der erneuerbaren Energien setzt.

Clement riet dazu, die SPD in Hessen nicht zu wählen. Unterstützt wurde er von Roland Koch. Das Wahlergebnis war ein großer Zuwachs für die SPD.

Der NABU (Naturschutzbund)-Energiereferent Dietmar Oeliger hat *5 *Forderungen aufgestellt:

  1. Alle Häuser in Deutschland sollten energetisch saniert werden
  2. Der Flugverkehr sollte wie alle anderen Verkehrsträger mit MWSt + Öko-Steuer belegt werden. Außerdem sollte eine Kerosinsteuer erhoben werden. Dadurch könnten 900 Mio € pro Jahr erwirtschaftet werden.
  3. Diesel sollte gegenüber dem Benzin in gleicher Weise besteuert werden. Da entgehen dem Fiskus pro Jahr 5,8 Mrd. €. Der CO²-Ausstoß pro Liter ist bei Diesel 11 % höher als bei Benzin, weil Diesel einen geringeren Energiegehalt hat.
  4. Die Rückstellungen der AKW-Betreiber sollten besteuert werden. 800 Mio € gehen da jährlich verloren. Diese Rückstellungen könnten in einen Stillegungsfond überführt weerden. Der jährliche Zinsgewinn könnte für Klimaschutzprojekte verwendet werden.
  5. Die Subventionierung der Kohle sollte beendet werden.

Für Berlin schlägt die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), vor:

Eine Pflicht zum Einsatz erneuerbarer Energien für Hausbesitzer. Bei der Sanierung öffentlicher Gebäudesoll damit angefangen werden. Die Bauleitplanung für Neubaugebiete soll einen bestimmten Prozentsatz an erneuerbaren Energien vorschreiben. Alle öffentlichen Gebäude sollen daraufhin untersucht werden, ob eine energetische Sanierung möglich ist (z.B. Wärmedämmung, effizientere Heizung, Thermofenster).Langfristig werde sich das rechnen.
Im Bundesrat will sie sich dafür einsetzen, daß die Energieeinsparverordnung verschärft wird. Der Klima- schutzstandard solle um 30 % verbessert werden.

All diese Maßnahmen sind halbherzig und werden den Überlebensproblemen unserer Enkelkinder nicht gerecht. Es ist 5 nach 12.

Was sagt die Evangelische Kirche zum Klimawandel?

Sie hat sich relativ früh zu Wort gemeldet. Im Februar 1995 erschien die Studie des Beirats des Beauftragten des Rates der EKiD für Umweltfragen unter dem Titel „Gefährdetes Klima – unsere Verantwortung für Gottes Schöpfung“.

Darin heißt es: Das christliche Bekenntnis zum Schöpfergott entspringt dem jüdisch-christlichen Glauben,daß „Natur und Kosmos Schöpfungstat Gottes“ (11) sind und der „Mensch gegenüber dem Schöpfer verantwortungsfähig und verantwortungspflichtig ist“ (13). „Der (im Schöpfungsglauben) zum Ausdruck kommende Respekt vor dem Schöpfer und die Ehrfurcht vor allem Lebendigen“, so die Studie, „sind dem Menschen der nordatlantischen Industriekultur abhanden gekommen (12).“ Mit der fortwährenden, den Klimawamdel verursachenden Emission von Treibhausgasen „manipuliert die Menschheit an einem globalen Umweltparameter von ungeheurer Tragweite“ (9).

Die Kirchen haben eine Mit-Urheberschaft am bedrohlichen Klimawandel, weil das jüdisch-christliche Gedankengut die „abendländische Kultur und industrielle Zivilisation mitgeprägt“ hat (11) Dies verpflichtet die Kirchen, ihren besonderen Beitrag zum Erhalt zukünftiger Lebensbedingungen zu leisten.

In der ökumenischen Diskussion ist der Begriff der „verantwortlichen Haushalterschaft“ geprägt worden, der den vier folgenden Kriterien zu entsprechen hat: schöpfungsverträglich, sozialverträglich, friedensverträglich und generationenverträglich. Als fünftes Kriterium muß heute die Klimaverträglichkeit genannt werden (14).

Die Kirchen können mit ihrem Wort und ihrem Handeln den nachfolgenden Generationen eine wirksame Stimme geben (16). Erforderlich sei eine „sehr deutliche Abkehr“ von unserer „herrschenden Wirtschafts- und Lebensweise“. Sie ist „nicht schöpfungsverträglich“, wie die EKD-Synode 1991 in Bad Wildungen erklärt hat, insbedondere durch den hohen Energieverbrauch und die Verschwendung von Ressourcen (41).

Die Evangelische Kirche sieht sich als Vorkämpferin einer klimaverträglichen Lebensweise. Sie ermuntert die christlichen Ortsgemeinden und Gemeindeglieder auch in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, „Vorreiter eines umweltbewußten Lebensstiles zu werden“ (50). Insbesondere könnte eine Selbstverpflichtung von Gemeinden und Kirchenkreisen zu einer deutlichen Senkung des CO²-Verbrauchs bei Gebäuden (wie im Kirchenkreis Spandau) und Fahrzeugen beispielhaft auf die politischen Akteure ausstrahlen (51). Die energie-sparendsten Standards bei der Wärmedämmung und beim Kraftstoffverbrauch für Dienstwagen, Dienst- reiseverordnung mit Vorrang des ÖPNV, ökologische Standards als fester Bestandteil von Visitationen, Jahresstatistiken über Energieverbrauch und Begründungszwang, wenn CO²-Verbrauchsabsenkung nicht erreicht wird, werden angeregt.

In praktischen Projekten kann das Dilemma zwischen dem Wissen und dem Verhalten überwunden werden. Mit ökologischer Gemeindearbeit geht es nicht nur um eine klimaverträglichere Zukunft, sondern es ist die „Suche nach einem gemeinsamen Weg (auch) in eine gerechtere und gewaltärmere Zukunft“ (53).

Selbstkritisch muß gesagt werden, daß der ökologische Schwung der 90er Jahre sehr nachgelassen hat. Vieles Klimaverträgliche hat sich zwar in den Gemeinden als Alltagsverhalten eingestellt, z.B. die Benutzung enregiesparender Beleuchtung und Geräte, aber das leitende Kriterium für klimafreundliches Handeln war und ist das Geld. Nur wenn es sich wenigstens mittelfristig rechnet, wird gehandelt. In Zukunft jedoch darf nicht mehr im Vordergrund stehen, ob sich eine Maßnahme amortisiert. Nicht mehr das Geld sondern klimaverträgliche Zukunftsfähigkeit muß das leitende Handeln bestimmen.