Messerattacken palästinensischer Jugendlicher auf Israelis

1. Wir verurteilen diese Angriffe auf Leib und Leben anderer Menschen, seien es israelische Juden oder andere Menschen.
Jedes Leben ist für uns kostbar.

2. Die oftmals fast täglich erlebten willkürlichen Maßnahmen und Menschenrechts-verletzungen von seiten der israelischen
Armee, ebenso wie die oft erlebte Korruption und Willkür der palästinensischen Autonomiebehörde und ihrer Sicherheitskräfte
lassen Gegenwart und Zukunft palästinensischer Jugendlicher trostlos und perspektivlos erscheinen.
Welche Perspektive habe ich, wenn ich erlebe, dass meine Familie oder die Familien meiner Freunde von israelischen
Sicherheitskräften vertrieben wurden, die Olivenhaine abgehackt, die Äcker konfisziert, der Schulbesuch tagtäglich erschwert
oder verhindert wird, bei nächtlichen Razzien und Hausdurchsuchungen meine Familie terrorisiert wird?
Aus solcher Situation nährt sich die sog. jugendliche Messer-Intifada.

3. Den Jugendlichen muß gesagt werden, dass sich dadurch die Situation und Perspektive der palästinensischen Jugendlichen
nicht verbessern wird. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel und geben den Besatzungsautoritäten (Regierung und Armee) Argumente
in die Hand, die palästinensische Seite in die gewalttätige Ecke zu stellen, ohne ihre eigene völkerrechtswidrige Siedlungspolitik
und menschenrechtsfeindliche Besatzungspolitik zu überdenken.

4. Auch wenn wir als Ökumenisches Zentrum prinzipiell den gewaltfreien Widerstand befürworten, so muß doch eingeräumt
werden, dass der bisherige gewaltfreie Wider-stand z.B. in B’ilin, Nilin, Qalqiliya, Abu Dis oder Silwan weitgehend erfolglos war.
Gewaltfreier Widerstand braucht breite internationale Unterstützung.

5. Die Messerattacken sind nicht „von oben“ angeordnet oder gelenkt oder etwa ideologisch durch die Hamas angeregt. Dies
wird mittlerweile auch nicht mehr von der israelischen Regierung behauptet. Die Messerattacken sind individuelle „hilflose“
Widerstandshandlungen, von denen in der
Regel auch die Familien nichts wissen, jedoch werden anschließend in Sippenhaftung ihre Wohnhäuser von der israelischen
Armee zerstört.

6. Dringend geboten ist eine Initiative von seiten der EU und der USA
mit dem Ziel der Beendigung der israelischen Besatzung, wenn nötig
auch mit der Androhung einer zeitweiligen Aussetzung des Assoziationsabkommens zwischen der EU und Israel.

(Ökumenisches Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit, Januar 2016)