Israel geht uns an. Warum?

1. Aus religiösen Gründen: Juden und Christen berufen sich auf die Hebräische Bibel, die Christen auf die Botschaft des Juden Jesus von Nazareth. Und diese Botschaft beider Teile der Bibel lautet in knappen Worten: Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität insbesondere gegenüber den Armen und Bedrängten.

2. Aus historischen Gründen: Die Nationalsozialistische Gewaltherrschaft, insbesondere der Holocaust, die Vernichtung von 6 Millionen Juden, binden uns, die nachfolgenden Generationen, aneinander und verpflichten uns zur Sorge umeinander. Die „Medaille“, das Existenzrecht Israels, hat eine Rückseite: das Existenzrecht eines palästinensischen Staates. Beides ist miteinander verbunden.

Die wichtigste Lehre, die wir aus der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gezogen haben, ist der Einsatz für die Menschenrechte.

Beides, die Menschenrechte und die Sorge um Gegenwart und Zukunft Israels treiben uns um.

Die Besetzung der palästinensischen Westbank seit 1967 durch die israelische Armee hat das Land zu einem Unrechtsstaat gemacht.

Die fast täglichen Meldungen, die uns erreichen, über Menschenrechtsverletzungen durch Armee oder Siedlergruppen im 50. Jahr der Besatzung machen uns besorgt, daß Israel seine Humanität verliert und sich selbst seelisch zerstört.

Ein Volk, das seine jugendlichen Soldaten seit 50 Jahren zu Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, an den Check-Points, an den Straßensperren, bei willkürlichen Einschüchterungen, Razzien, Verhaftungen, Häuserzerstörungen ermuntert oder solches gar anordnet, muß wissen, daß dies Spuren in den Menschen hinterläßt.

Die Radikalisierung Israels schreitet voran, die Humanität bleibt auf der Strecke. Und die Regierung Israels geht vorneweg. Militärische Besetzung und Siedlungspolitik zielen auf eine dauerhafte Herrschaft über „Samaria“ und „Judäa“, wie Israels Radikale die Westbank nennen.

3. Der ungelöste Israel-Palästina-Konflikt ist auch Nährboden für die Radikalisierung der muslimischen Nachbarn.