24.12.2018

Öffnet Bethlehem! – Weihnachten 2018

Den berühmten Weg (den Josef und Maria vor mehr als 2000 Jahren beschrit­ten), die knapp 7 km lange Straße zwi­schen Jeru­salem und Beth­lehem zu gehen, ist heute fast un­möglich. Israel baute auch dort den sog. "Sicherheits­zaun", der in Wirk­lich­keit eine 8-14 m hohe Beton­mauer ist, die Beth­lehem faktisch ab­riegelt.

Auch diese Weih­nachten 2018, wo Christen den Geburts­tag Jesu feiern, kann nicht ver­borgen bleiben, dass Israel die heilige Stadt längst in ein Freiluft­gefängnis ver­wandelt hat.

Nach Unterlagen der UN wird Beth­lehem von 78 Hinder­nissen, ein­schließ­lich 10 militäri­schen Kontroll­punkten und 55 Straßen­sperren umgeben (Stand 2012). Die Mauer, die mit Milliar­den Dollar vor allem amerika­nischer Steuer­zahler bezahlt wurde, schnei­det Beth­lehems Bevöl­kerung von wich­tigen sozialen Diensten, Kranken­häusern, Schulen und Arbeits­plätzen ab. Dr. Desmond Tutu, der frü­here Erz­bischof Süd­afrikas, erklärte: "Es ist unglaub­lich, dass man die Stadt Beth­lehem durch Strangu­lierung lang­sam sterben lässt".

Außerdem wurde das ganze Areal rund um Rachels Grab – mitten in Beth­lehem – illegal von der israeli­schen Regie­rung ent­eignet und mit einer Mauer um­geben. Die palästinen­sischen Be­wohner der daneben liegen­den Häuser und Geschäfte sind ver­trieben worden, um einer geplan­ten jüdischen Schule und Sied­lung Platz zu machen. Die israeli­sche Regie­rung hat dies vorher auch schon in Hebron / Al Khalil gemacht – mit voraus­sehbaren gewalt­tätigen Folgen.

Wer ist für diese Situation im Heiligen Land verant­wortlich? Wir alle sind dafür verant­wortlich. Die USA liefern das Geld und die Welt ignoriert die Proteste der palästinen­sischen christ­lichen Gemein­den. Israel hat diese Mauer gebaut, die ein Hinder­nis für den Frieden ist, während die Welt schweigt. Während alle Welt zu Weih­nachten Lieder singen wird, in denen Beth­lehem als Geburts­ort Jesu eine Rolle spielt, scheint es ihr nicht klar zu sein, dass die Stadt jetzt von Mauern, militäri­schen Wach­türmen und illega­len jüdischen Sied­lungen um­geben ist. Beth­lehem ist im Begriff zu sterben. Die Folge der Unter­drückung wird nur zu noch mehr Gewalt führen.

Tatsächlich ist Jesu Geburts­ort nicht mehr ein Fanal der Hoff­nung, sondern wird immer mehr zu einem Symbol für das, was mit Israels Besat­zung des palästinen­sischen Landes falsch läuft. Eine Mauer zu bauen oder ein­seitig Lösun­gen durch­zuführen, wird keinen Frieden bringen.

Es ist an der Zeit, dass alle Menschen guten Willens, Christen, Juden und Muslime zusammen kommen, um die israelische militä­rische Besat­zung des palästinen­sischen Landes zu beenden.

Es ist an der Zeit, Mauern ein­zureißen und nicht neue auf­zubauen, die die Zentren religiöser Gemein­den im Heiligen Land umgeben und in Gefäng­nisse ver­wandeln.

Es ist an der Zeit, statt Mauern Brücken zu bauen!

Damit grüßt Euch und Sie herzlich zum Weihnachts­fest

Peter Kranz
(Ökumeni­sches Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit)

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