04.01.2017

Terroranschläge 2016

Nach einer Liste von Terroranschlägen bei wikipedia gab es 108 Terroranschläge weltweit, darunter 82 islamistische (⅘ aller Anschläge), 18 kurdische, 4 rechtsradikale, 4 separatistische Anschläge, und einen AKP-nahen Anschlag. Der blutigste Anschlag des IS mit über 100 Toten richtete sich gegen schiitische Pilger in Hillel/Irak. Der spektakulärste war der Lastwagen-Anschlag am 14. Juli in Nizza, dem französischen Nationalfeiertag, mit 84 Toten und über 300 Verletzten. Davon inspiriert tötete am 19. Dezember der Tunesier Anis Amri auf dem Breitscheidplatz mit einem Lastwagen 12 Weihnachtsmarktbesucher*innen. Spektakulär war auch der Anschlag in der Silvesternacht 2016/17 gegen das Szene-Restaurant Club Reina in Istanbul mit 39 Toten und 69 Verwundeten.

Der IS übernahm für 42 Anschläge mit 1.403 Toten und 2.620 Verletzten die Verantwortung (13 Anschläge im Irak, 6 Anschläge in der Türkei, 4 Anschläge in Belgien, je 3 in Syrien, Frankreich, Deutschland, je 2 in Indonesien, Afghanistan, Pakistan, je 1 Anschlag in Bangladesh, USA, Jemen, Ägypten). Hinzu kommen 3 Terroranschläge der IS-nahen Boko Haram in Nigeria mit 40 Toten und 62 Verletzten. 3 weitere Anschläge mit 27 Toten und 48 Verletzten gelten als IS-inspiriert.

Dubios ist der Anschlag in der Silvesternacht gegen den säkularen Club Reina in Istanbul. Der IS übernahm die Urheberschaft, „gegen den berühmten Nachtclub …, wo die Nazarener (Christen) ihr polytheistisches Fest feiern. Er (der Attentäter) hat sie mit Handgranaten und seiner automatischen Waffe angegriffen und ihre Feier in Trauer verwyandelt.“ Handgranaten aber wurden nach Augenzeugen und Polizeiangaben nicht benutzt. Tagelang vorher wurde in regimenahen Medien und in einer von der türkischen Religionsbehörde Diyanet verfassten Predigt für den Freitagsgottesdienst in den Moscheen, gegen „unmoralische“ Feiern zum „unislamischen fremden“ Silvesterbrauch polemisiert. In der Stadt Aydin wurde zwei Tage vor Silvester eine Performance aufgeführt, in der ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann von traditionell bekleideten Menschen verprügelt wurde. Sogar eine Schusswaffe wurde dem Weihnachtsmann an den Kopf gehalten (Ali Celikkan in taz vom 3.1.17, S.14).

„Heute ist der letzte Tag. Dies ist die letzte Warnung: Wagt es nicht zu feiern!“ titelte die regierungsnahe Zeitung Milli Gazete in der Silvesterausgabe. All dies erzeugte nach Ansicht der Oppositionspartei CHP ein gewalttätiges Klima. Der Täter soll ein vom IS ausgebildeter und aus Syrien geschickter Mann kirgisischer Abstammung sein. Er wurde nicht gefasst. Aber nach dem Terroranschlag waren die ersten von der Polizei Verhafteten nicht Hintermänner des Attentats, sondern Menschen, die am Anschlagsort aus Solidarität mit den Opfern Blumen niederlegten. Ebenfalls festgenommen wurden Mitglieder der linken Halkevleri-Bewegung, die dazu aufgerufen hatten, „IS-Kämpfer und andere Dschihadisten nicht länger in der Nachbarschaft zu tolerieren“. „Wir müssen eine Flagge hissen, und das ist die Flagge des Säkularismus. Säkularismus steht für Frieden, Brüderlichkeit und den Kampf für ein humanistisches Leben.“ (taz, 3.1.17)

Die islamistischen Taliban in Afghanistan unternahmen 12 Terroranschläge mit 178 Toten und 736 Verletzten, davon 9 Anschläge auf Zivilisten.

Es gab 4 Terroranschläge der islamistischen Tehrik-i-Taliban in Pakistan mit 90 Toten und 238 Verletzten, einen Terroranschlag der Jamaat-al-Ahrar (einer Abspaltung) mit 74 Toten und 340 Verletzten, einen bewaffneten Angriff der islamistischen Kaschmir-Separatisten Jaish-e Mohammed auf einen Militärposten mit 7 Toten.

al-Quaida-nahe Gruppen verübten 9 Terroranschläge, davon 6 Terroranschläge der islamistischen al-Shabaab in Somalia/Kenia mit 59 Toten und ca. 85 Verletzten, 2 Terroranschläge der islamistischen al-Quaida im Maghreb in Burkina Faso und Elfenbeinküste mit 48 Toten und 63 Verletzten und einen Terroranschlag der Abu Sayyaf mit einem Toten und einem Verletzten auf den Süd-Philippinen.

Es gab zwei Terroranschläge islamistischer Salafisten mit 4 Verletzten (Niederlande, Deutschland). Weitere sechs unspezifisch islamistische Anschläge, davon zwei in den USA und je einen in Libyen, Syrien, Israel, Jemen, Kasachstan, gab es mit zusammen 73 Toten und 168 Verletzten.

Durch 80 Terroranschläge islamistischer Gruppen starben demnach 1.961 Menschen und wurden 4.267 Menschen verletzt.

Von kurdischen Separatisten gab es 18 Anschläge (10 der PKK, 8 der Freiheitsfalken TAK) mit insgesamt 204 Toten und 876 Verletzten (darunter 7 Anschläge mit auch zivilen Opfern).

Von anderen Separatisten bzw. Unabhängigkeitskämpfern gab es 4 Anschläge mit 12 Toten und 52 Verletzten (Thailand, Assam, Südost-Nigeria, Palästina).

Von Rechtsradikalen gab es 4 Terroranschläge mit 11 Toten und 12 Verletzten (einen in den USA, drei in Deutschland).

Der Anschlag gegen den russischen Botschafter in der Türkei geschah nach wochenlanger Polemik in regimenahen Medien gegen den russischen Einsatz zugunsten des syrischen Präsidenten Assad, ein schiitischer Alawit, möglicherweise von einem AKP-Sympathisanten.

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