27.04.2016

Erklärung zu den Messerattacken palästinensischer Jugendlicher auf Israelis

Erklärung des Ökumenischen Zentrums für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit vom Januar 2016 zu den Messerattacken palästinensischer Jugendlicher auf Israelis

  1. Wir verurteilen diese Angriffe auf Leib und Leben anderer Menschen, seien es israelische Juden oder andere Menschen. Jedes Leben ist für uns kostbar.
  2. Die oftmals fast täglich erlebten willkürlichen Maßnahmen und Menschenrechtsverletzungen von seiten der israelischen Armee, ebenso wie die oft erlebte Korruption und Willkür der palästinensischen Autonomiebehörde und ihrer Sicherheitskräfte lassen Gegenwart und Zukunft palästinensischer Jugendlicher trostlos und perspektivlos erscheinen. Welche Perspektive habe ich, wenn ich erlebe, dass meine Familie oder die Familien meiner Freunde von israelischen Sicherheitskräften vertrieben wurden, die Olivenhaine abgehackt, die Äcker konfisziert, der Schulbesuch tagtäglich erschwert oder verhindert wird, bei nächtlichen Razzien und Hausdurchsuchungen meine Familie terrorisiert wird? Aus solcher Situation nährt sich die sog. jugendliche Messer-Intifada.
  3. Den Jugendlichen muss gesagt werden, dass sich dadurch die Situation und Perspektive der palästinensischen Jugendlichen nicht verbessern wird. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel und geben den Besatzungsautoritäten (Regierung und Armee) Argumente in die Hand, die palästinensische Seite in die gewalttätige Ecke zu stellen, ohne ihre eigene völkerrechtswidrige Siedlungspolitik und menschenrechtsfeindliche Besatzungspolitik zu überdenken.
  4. Auch wenn wir als Ökumenisches Zentrum prinzipiell den gewaltfreien Widerstand befürworten, so muss doch eingeräumt werden, dass der bisherige gewaltfreie Widerstand z.B. in B’ilin, Nilin, Qalqiliya, Abu Dis oder Silwan weitgehend erfolglos war. Gewaltfreier Widerstand braucht breite internationale Unterstützung.
  5. Die Messerattacken sind nicht „von oben“ angeordnet oder gelenkt oder etwa ideologisch durch die Hamas angeregt. Dies wird mittlerweile auch nicht mehr von der israelischen Regierung behauptet. Die Messerattacken sind individuelle „hilflose“ Widerstandshandlungen, von denen in der Regel auch die Familien nichts wissen, jedoch werden anschließend in Sippenhaftung ihre Wohnhäuser von der israelischen Armee zerstört.
  6. Dringend geboten ist eine Initiative von seiten der EU und der USA mit dem Ziel der Beendigung der israelischen Besatzung, wenn nötig auch mit der Androhung einer zeitweiligen Aussetzung des Assoziationsabkommens zwischen der EU und Israel.

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